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Laurence Miller. The Psychology of Police Deadly Force Encounters: Science, Practice, and Policy. Illinois 2020

Laurence Miller, The Psychology of Police Deadly Force Encounters: Science, Practice, and Policy. Illinois 2020: Charles C. Thomas Publisher. ISBN 978-0-398-09326-6, 45.- US-Dollar. 287 S.

Nicht nur (aber auch) wegen der in den vergangenen Monaten in den Medien intensiv diskutierten Vorfälle von Polizeigewalt liegt es nahe, sich mit möglichen individuellen und strukturellen Erklärungsversuchen zu beschäftigen. Während dabei bislang vor allem strukturelle Fragen im Vordergrund standen (Stichworte: Gewaltmissbrauch, Rassismus, mangelnde Fehlerkultur), blieb die Frage nach den individuellen, d.h. persönlichen Faktoren, die polizeiliches (Gewalt-)Handeln wesentlich beeinflussen, im Hintergrund. Dabei ist jedes menschliche Handeln nicht nur von externen Faktoren beeinflusst, sondern ganz wesentlich von individuellen Merkmalen und Erfahrungen geprägt. Mit dieser Problematik beschäftigt sich das Buch von Laurence Miller, das in seiner umfassenden Darstellung der Thematik wohl als einmalig angesehen werden kann. Continue reading Laurence Miller. The Psychology of Police Deadly Force Encounters: Science, Practice, and Policy. Illinois 2020

Anina Schwarzenbach, Youth-Police Relations in Multi-Ethnic Cities. Rezensiert von Thomas Feltes

Anina Schwarzenbach, Youth-Police Relations in Multi-Ethnic Cities: A study of police encounters and attitudes toward the police in Germany and France. Schriftenreihe des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht: Kriminologische Forschungsberichte. Berlin: Duncker & Humblot. 2020. 340 S., ISBN 978-3-86113-283-7, 40.- Euro

Die Studie von Schwarzenbach untersucht das Verhältnis junger Menschen zur Polizei und geht der Frage nach, warum es in manchen Ländern (hier Frankreich) zu Spannungen und gewaltsamen Revolten kommt und in anderen (noch) nicht. Im Besonderen interessiert die Autorin dabei, ob gewisse polizeiliche Handlungspraktiken, beispielsweise routinemäßig durchgeführte Identitätskontrollen, von jungen Menschen mit Migrationshintergrund als diskriminierend empfunden werden und Konsequenzen für deren Einstellung und Kooperation mit der Polizei haben. Continue reading Anina Schwarzenbach, Youth-Police Relations in Multi-Ethnic Cities. Rezensiert von Thomas Feltes

Marius Krudewig, Sportwettbetrug und Manipulation von berufssportlichen Wettbewerben. Rezensiert von Thomas Feltes

Marius Krudewig, Sportwettbetrug und Manipulation von berufssportlichen Wettbewerben. Eine verfassungsrechtliche und kriminalpolitische Betrachtung der §§ 265c, 265d StGB. 2020, 309 Seiten, ISBN 978-3-8487-6748-9. Nomos-Verlag Baden-Baden, 82.- Euro

Ein Strafrecht ohne Rechtsbedarf? So etwas gibt es nicht, und so etwas darf es nicht geben – denkt man. Gibt es aber, wie zu zeigen sein wird, und zwar in einem Bereich, der nicht erst seit dem Bundesligaskandal und dem „Fall Hoyer“ ein wichtiges Thema in Deutschland ist: dem Sportwettbetrug. Zum 01.01.2016 hat der Gesetzgeber die Vorschriften der §§ 265c und 265 d StGB geschaffen, mit denen sich die vorliegende Arbeit beschäftigt. Bestraft werden sollen demnach Spitzensportler*innen des organisierten Sports und diejenigen, die aus der sportlichen Betätigung unmittelbar oder mittelbar Einnahmen von erheblichem Umfang erzielen. Dabei ist schon hier unklar, was Spitzensportler sind, was „organisierter Sport“ und was „Einnahmen in erheblichem Umfang“ sein sollen, oder „was auch immer dies ist im diffusen Entlohnungssystem unterhalb des Berufssports heißen mag“. Der ehemalige Bundesverfassungsrichter Udo Steiner, von dem diese Aussage stammt, hat diese Formel als „eher geeignet für den Gesetzesvollzug durch Sozial- und Steuerbehörden und weniger durch die Organe der Strafverfolgung“ bezeichnet[1]. Continue reading Marius Krudewig, Sportwettbetrug und Manipulation von berufssportlichen Wettbewerben. Rezensiert von Thomas Feltes

Christoph Butterwegge, Ungleichheit in der Klassengesellschaft. Rezensiert von Felix Rauls

Christoph Butterwegge: Ungleichheit in der Klassengesellschaft. PapyRossa Verlag, Köln 2020, 183 Seiten, ISBN 978-3-89438-744-0, 14,90 Euro

Mit „Ungleichheit in der Klassengesellschaft“ gelingt es Butterwegge, einerseits Grundlagen der Ungleichheitsforschung kurz, aber nicht verkürzt darzustellen, und andererseits aktuelle Ausprägungen der Ungleichheit zu beschreiben und analysieren. So nimmt er immer wieder den Umgang mit der Corona-Pandemie zum Anlass, zu kritisieren, in wessen Interesse Politik gemacht wird – nämlich zugunsten Hyperreicher und Unternehmen, zulasten Armer. Andererseits bezieht er auch die grundlegenden Ausführungen auf die aktuelle Situation, wenn er etwa den „schweinischen Kapitalismus“ (in Abgrenzung zum rheinischen Kapitalismus der 1990er) mit Lohn- und Sozialdumping, „skrupellose[r] Leuteschinderei und massenhafte[r] Tierquälerei“ (S. 81 f.) beschreibt und am Beispiel der massenhaften Covid-Infektionen im Schlachtbetrieb von Tönnies festmacht. Continue reading Christoph Butterwegge, Ungleichheit in der Klassengesellschaft. Rezensiert von Felix Rauls

Detlef Pollack, Das unzufriedene Volk. Protest und Ressentiment in Ostdeutschland. Rezensiert von Thomas Feltes

Detlef Pollack, Das unzufriedene Volk. Protest und Ressentiment in Ostdeutschland von der friedlichen Revolution bis heute. Transcript-Verlag, Bielefeld 2020, 232 S., ISBN: 978-3-8376-5238-3, 20.- Euro.

„…auch heute noch treten die Ostdeutschen vor allem als Klagende, Protestierende und Unzufriedene öffentlich in Erscheinung: Unsere Industrie sei abgewickelt worden, wir würden als Bürger zweiter Klasse behandelt, wir hätten keine eigene Stimme“ – so der Autor in der Einführung zu seinem Buch. Für ihn ist es Zeit, „diese Untugend des „Arme Schweine Kults“ … endlich abzulegen und anzuerkennen, dass es uns heute weitaus besser geht als vor 30 Jahren“ (aaO.). Ostdeutschland als ein vom Westen kolonialisiertes Land der kleinen Leute ohne politisches Gewicht und ohne soziale Anerkennung (S.8) –  mit diesem Vorurteil will Pollack aufräumen und vertritt dazu die These, „dass es sich bei der ostdeutschen Bevölkerung um einen starken politischen Akteur handelt, der sich im Prozess der deutsch-deutschen Wiedervereinigung … sehr wohl ins Spiel zu bringen gewusst hat und es auch noch im Modus des Klagens versteht, sich selbst zu behaupten“ (aaO.). Continue reading Detlef Pollack, Das unzufriedene Volk. Protest und Ressentiment in Ostdeutschland. Rezensiert von Thomas Feltes