Buchbesprechungen

Die konvivialistische Internationale: Das zweite konvivialistische Manifest. Für eine post-neoliberale Welt. Open Access, Vorgestellt von Thomas Feltes

Die konvivialistische Internationale: Das zweite konvivialistische Manifest. Für eine post-neoliberale Welt. Transcript-Verlag 2020, ca. 144 Seiten, ISBN: 978-3-8394-5365-0. pdf-download kostenlos hier, Druckversion 10.- Euro.

Was ist Konvivialismus? Das werden sich die meisten fragen, die den Titel dieses Buches lesen.

Das Wort Konvivialismus kommt (wie sollte es auch anders ein) aus dem Lateinischen: con-vivere bedeutet zusammen leben, und genau darum geht es. Wie können wir unter den gegenwärtigen Bedingungen in einer Welt so zusammenleben, dass unsere eigenen moralischen und ethischen Ansprüche erfüllt werden?  Die globalen Probleme des Klimawandels, der Armut, der sozialen Ungleichheit oder der Finanzkrise erfordern ein Umdenken und veränderte Formen des Zusammenlebens – von der Corona-Pandemie, die nach der Fertigstellung des Manifestes ausgebrochen ist, ganz zu schweigen. Viele Bewegungen, Initiativen und Gruppierungen suchen aktuell schon nach alternativen Wegen. Ihnen allen gemeinsam ist das Streben nach einer neuen Kunst, miteinander zu leben (con-vivere). Continue reading Die konvivialistische Internationale: Das zweite konvivialistische Manifest. Für eine post-neoliberale Welt. Open Access, Vorgestellt von Thomas Feltes

Dorothee Dienstbühl, Extremismus und Radikalisierung. Kriminologisches Handbuch zur aktuellen Sicherheitslage. Rezensiert von Thomas Feltes

Dorothee Dienstbühl, Extremismus und Radikalisierung. Kriminologisches Handbuch zur aktuellen Sicherheitslage. Boorberg-Verlag Stuttgart 2019, 304 S., 29,80 Euro

Als „Kriminologisches Handbuch zur aktuellen Sicherheitslage“ 2019 angekündigt, verspricht der Verlag damit nicht mehr und nicht weniger als eine sachlich und wissenschaftlich fundierte Bestandsaufnahme der Sicherheitslage. Dass es dabei (ausschließlich) um „Extremismus und Terrorismus“ geht, wird auch aus dem Titel nicht wirklich deutlich, der zwei doch sehr unterschiedliche Begriffe (Extremismus und Radikalisierung) verbindet. Die Verfasserin, im August 2020 zur „Extremismusbeauftragten“ an der Polizei-Hochschule NRW ernannt, hatte sich zuletzt mit einem Leitartikel zur Ausgabe „Linksextremismus. Brutal. Zynisch. Arrogant.“ in der Zeitschrift „Deutsche Polizei“ der Gewerkschaft der Polizei in der (polizeilichen) Öffentlichkeit gemeldet, in dem sie eine Beziehung zwischen der Ideologie der RAF und den jüngsten Ausschreitungen von linken Demonstranten in Berlin und Leipzig herstellte. Continue reading Dorothee Dienstbühl, Extremismus und Radikalisierung. Kriminologisches Handbuch zur aktuellen Sicherheitslage. Rezensiert von Thomas Feltes

Kargl, Walter: Strafrecht. Einführung in die Grundlagen von Gesetz und Gesetzlichkeit. Rezensiert von Holger Plank

Kargl, Walter[1]: „Strafrecht. Einführung in die Grundlagen von Gesetz und Gesetzlichkeit“[2] ISBN: 978-3-8487-5162-4, 360 Seiten, Nomos Verlag, Baden-Baden, 2019, 79.- €

„Kargl (…) hat sich seit Mitte der siebziger Jahre mit (strafrechtswissenschaft­lichen) Themen (im Kontext von) Jurisprudenz und Psychologie (interdisziplinär) auseinandergesetzt. Fragen wie „Was ist Sozialtherapie?“, „Jurisprudenz der Geisteskrankheit“, „Kriminalität und Psychoanalyse“, „Kritik des Schuldprin­zips“ prägten seine Arbeiten. Bald folgte eine Ausrichtung an Rechtssoziologie und Rechtstheorie (mit Arbeiten zur) „Instrumentalität und Symbolik der posi­tiven Generalprävention“ oder zur „Funktion des Strafrechts in rechtstheo­retischer Sicht. (…) Seine (auch in dem zugrundeliegenden Werk durchgängig erkennbare fundierte und mitunter) originelle Sicht eines inter- und intradis­ziplinär gedeuteten Strafrechts, die sich zugleich durch Begriffsschärfe und an Grundrechten orientierte Zugriffsbegrenzung auszeichnet, ist für sein ebenso umfassendes wie konsequentes Werk prägend.“[3] Man darf ihn schon deshalb als einen wichtigen Vertreter einer umfassend angelegten „Gesamten Strafrechtswissenschaft“ einordnen und muss schon unter diesem Gesichtspunkt einen umfassenden Blick in sein wirklich beeindruckendes (Lehr-)Buch werfen. Continue reading Kargl, Walter: Strafrecht. Einführung in die Grundlagen von Gesetz und Gesetzlichkeit. Rezensiert von Holger Plank

Burke, Hendrik : Die Polizeiverordnung. Rezensiert von Holger Plank

Burke, Hendrik[1]: „Die Polizeiverordnung“[2] ISBN: 978-3-428-15792-1, 281 Seiten, Verlag Duncker & Humblot, Berlin, 2019, Reihe Schriften zum öffentlichen Recht (SÖR), Band 1409, 79,90 € [E-Book als .pdf für 71,90 €])

Tiefgreifende ökonomische, politische und soziokulturelle Transformationspro­zesse, die gegenwärtig noch deutlich an Intensität und Geschwindigkeit zuneh­men, verändern die Risikoperzeption der Menschen und des Gesetzgebers. Ganz allgemein stehen traditionelle Gewissheiten zur Disposition, der gewohnten Er­wartbarkeit und Berechenbarkeit wird zunehmend das Fundament entzogen. Die Dynamik der Veränderung findet ihre individuelle Entsprechung in abnehmender Überschaubarkeit und sinkender Erwartungssicherheit.[3] Eine derartige Risikoper­zeption ist immer schwieriger in den klassischen polizeirechtlichen Gefahrenbe­griff einzubetten. Besonders terroristische Gewalttaten haben dazu beigetragen, dass Sicherheitsfragen im aktuellen politischen Diskurs einen anhaltend hohen Stellenwert haben.[4]  Continue reading Burke, Hendrik : Die Polizeiverordnung. Rezensiert von Holger Plank

Tamara Verena Pitz, Robe versus Brief im Diversionsverfahren. Zum spezialpräventiven Potential jugendstrafrechtlicher Einstellungsvarianten. Rezensiert von Leif Artkämper

Tamara Verena Pitz, Robe versus Brief im Diversionsverfahren. Zum spezialpräventiven Potential jugendstrafrechtlicher Einstellungsvarianten unter Empfehlung einer Diversionsrichtlinie, 365 Seiten, 96,00 Euro, ISBN 978-3-8487-6435-8

Die Autorin beschäftigt sich mit der Frage, wie die Justiz in Zeiten ressourcenbegrenzter Personalpolitik, schwindender sozialer Kontrolle und medienwirksamer Sanktionsappelle bestmöglich auf jugendtypische Kriminalität junger Ersttäter (im Diversionsverfahren) reagieren sollte. Um diese Frage zu beantworten begnügt sich die Autorin nicht, bereits bestehende Forschungsergebnisse auszuwerten und zu vergleichen, sondern führt eine eigene – recht breit angelegte (n= 350) – empirische Studie durch, in der sie erforscht, „ob innerhalb der informellen Verfahrenserledigung nach § 45 Abs. 1 und Abs. 2 sowie des § 47 Abs. 1 JGG eine Diversionsvariante im Hinblick auf Spezialprävention und Verfahrensökonomie den anderen überlegen ist.“ Continue reading Tamara Verena Pitz, Robe versus Brief im Diversionsverfahren. Zum spezialpräventiven Potential jugendstrafrechtlicher Einstellungsvarianten. Rezensiert von Leif Artkämper